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Mauritius – eine gute Mischung der Kulturen

MauritiusMauritius empfing uns früh am Morgen mit einem frischen Obstkorb und einem Rum aus heimischer Produktion. Wir lagen längsseits am Kay in der Caudan Marina an Port Luis Waterfront, die man wie jetzt allgemein üblich zu einem touristischen Ziel mit Einkaufscentren, Hotels, Restaurants und Kneipen umgebaut hatte. Eine Conversion alter Hafenanlagen, wie man sie jetzt vielfach findet. Die Schiffe der ARC finden reges Interesse bei den Einheimischen, die sich auch gerne mit ihnen fotografieren lassen. Es ist auch ein schöner Anblick, denn alle Schiffe sind über die Toppen geflaggt.

Mauritius ist geprägt von den vielen Einflüssen unterschiedlichster Kulturen. Die Holländer benutzten es als Station für ihre Gewürzreisen in ihre Kolonien Indonesiens. Dann kamen die Franzosen und später die Engländer, die die Insel übernahmen, bis man die Insel im Jahre 1958 in die Unabhängigkeit entließ.

Der Zuckerrohranbau ist das tragende wirtschaftliche Produkt, das die Insel beschäftigt. Einschließlich der Zuckerraffinerien und die Produktion von Rum.

Für den Zuckerrohranbau benötigte man schon früh jede Menge von Arbeitskräften, die als Sklaven herbeigeschafft wurden, nach Abschaffung der Sklaverei aber auch später importiert wurden aus Afrika, Madagaskar, Indien, Malaysia, China und Indonesien. Jede dieser verschiedenen Ethnien brachte ihre eigenen Kultur, Religion und Lebensgewohnheiten mit sich. Die Sprachen vermischten sich zu einer eigenen Sprache, die noch heute gesprochen wird: Creolisch. Daneben spricht man Französisch und Englisch, obwohl es mein Eindruck war, daß die französiche Komponente vorherrschend ist. Und natürlich die Küche hat alle Einflüsse aufgenommen und ist „creolisch“ mit einem eigenen Touch. Die Religionen stehen gleichwertig nebeneinander; Hindi, Muslim, Katholiken, Protestanten und Budhisten können ihren Glauben problemlos leben.

Die Geschäfte in der Stadt werden hauptsächlich von Indern und Chinesen geführt. In vielen kleinen Kramläden an den Hauptstraßen findet man alles an Werkzeug, für den Haushalt und elektrischen Teilen. Sogar Kohlebürsten für unsere Hydraulikpumpe zum Antrieb unserer Selbststeueranlage finden wir in einem kleinen Laden, der bis oben vollgestopft war. Was man dort nicht findet, bietet dann sicher ein Laden in Chinatown.

Die Märkte sind voll mit Obst und Gemüse; frisch aus dem Feld präsentiert und garantiert nicht aus einem Kühlschrank. Es herrscht ein buntes Treiben mitten in dieser Fülle des Angebotes. Gewöhnunsbedürftig bleiben die Märkte für Fleisch und Fisch. Es wird zwar alles angeboten, aber dieses Angebot findet auch reißendes Interesse bei den Fliegen, die alles belagern.

Die Ware ist preiswert, wie überhaupt des Preisniveau auf Mauritius moderat ist. In den Restaurants wird ein Mittag- oder Abendessen schon für 10 € angeboten. Meist creolische oder chinesische Küche wird von vielen kleinen Garküchen angeboten; durchaus schmackhaft zubereitet und von sehr scharfen Saucen begleitet.

Wir haben viel Zeit in Mauritius und ein gemietetes Auto gibt uns die Möglichkeit, das Land im Norden und Süden zu erkunden. Das touristische Angebot an Hotels ist üppig. Schöne Sandstrände mit feinstem weißen Sand gibt es überall zu finden. Die Rumdestillerie Chamarelle lädt auf eine Besichtigung ein, einschließlich der Verkostung verschiedener Rumsorten. Im Norden besuchen wir eine Zuckerfabrik, die alles über die Herstellung und Erzeugung von Zucker in einem Museum präsentiert. In der Nähe der Botanische Garten von Pampelmousse zeigt Bäume und Pflanzen verschiedenster Art. In La Bourdonnais besuchen wir das Herrenhaus des Zuckerbarons Weihe – der übrigends aus Deutschland gebürtig ist. Eindrucksvoll und elegant, wie man sich das Leben einrichten konnte in den alten Zeiten des Kolonialismus und der Sklaverei.

Mauritius; eine schöne Insel! Exotisch und doch europäisch geprägt. Am 23. Oktober soll es weitergehen. Doch vorab erhalten wir am Morgen die „Blessings of the Allmighty“ in einer Celebration, die von einem Anglikaner, einem Hindupriester und einem Muslim-Prediger gemeinsam durchgeführt wird. Da kann ja nichts mehr schief gehen.

Wir laufen schon eine Stunde vor dem Start aus, um unser Großsegel anzuschlagen. Das Großsegel war in Mauritius von einem Segelmacher mit einem neuen Vorliek versehen worden und die Lattentaschen sind verstärkt worden. Die Arbeit machte alles einen sehr guten Eindruck und preiswert war die Arbeit auch. Aber da der Wind im Hafen immer achterlich blies, konnten wir das Segel nicht vorher anschlagen.

Die Überraschung war groß, als wir beim Setzen des Segels feststellen mussten, daß das für den Masttrack eingenähte Tauliek aus dem Track gezogen wurde, sobald etwas Druck im Segel einsetzte. Wir mussten also wieder zurück, um die Reparatur reparieren zu lassen. Natürlich passiert so etwas immer an Sonntagen oder Feiertagen, wo nicht gearbeitet wird. Wir mussten daher bis zum Montag warten, um mit dem Segelmachen zu sprechen. Der war dann allerdings auf Draht und wechselte das Liektau innerhalb eines Vormittags aus, sodaß wir einen Tag später als vorgesehen auslaufen konnten.

Obwohl wir für den 23. Oktober ausklariert hatten, mit Brief und Siegel im Pass, wurden wir am Tag danach von den Behörden zurückgepfiffen, als wir erneut ausliefen. Man verlangte eine erneute Vorlage der Pässe und den Besuch des Büros der Hafenbehörde. Wir ärgerten uns über diesen Bürokratismus; nur darf man das nicht zu deutlich zeigen. Dafür bekamen wir einen zweiten Stempel in unsere Pässe und waren dann frei, Mauritius zu verlassen.

Unsere Mannschaft war verstärkt durch Peters Frau Ingrid, die uns bis Reunion begleiten wollte. Die Strecke nach La Reunion beträgt ca. 130 Seemeilen, die wir in einem Nachmittag und einer Nacht absegeln wollten. Leider waren die Windverhältnisse etwas dürftig in der Nacht, die Windrichtung wie befürchtet mehr aus ENE, sodaß wir vor dem Wind kreuzen mussten. Der wieder in Mauritius reparierte Spinnaker kam wieder zum Einsatz. Vor La Reunion brieste es mehr und mehr auf bis auf 25 – 30 Knoten kurz vor dem Hafen Le Port an der Nord-Westküste.

Von unseren anderen ARC Seglern wurden wir um 14 Uhr mit neugieriger Nachfrage begrüßt, warum die CHIKA-lu so spät einläuft.

Hubert, Le Port, Reunion

27. 10. 2014