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Essen an Bord

Natürlich wird keiner auf die Idee kommen, 030DinnerCHIKAludes Essens wegen auf ein Segelboot zu gehen, das über einen Ozean fährt. Die einschlägigen Probleme sind nur zu bekannt, und der Mitsegler erwartet nicht viel Gutes. Nicht so auf der CHIKA-lu. Hier wird Tag für Tag ausgesprochen Wohlschmeckendes serviert, Grund genug davon zu berichten.
Zunächst ist zu erwähnen, dass sich von der derzeitigen Besatzung alle an der Küchenfront versuchen, bis auf Wolfram, den der Kampf mit der Bordelektronik, den Kommunikationswegen und vor allem mit den mehr oder weniger unwilligen Kurzwellenstationen voll vereinnahmt. Eine herausragende Rolle nimmt hier Sebastian ein, der leckerste Gerichte mit der Routine einer 50 jährigen Hausfrau kocht, die seit Jahrzehnten ihre 6- köpfige Familie betreut.

Neben anderen Qualitäten, die von mir weniger genau zu beurteilen sind, wird seine Kochkunst ein wesentlicher Grund dafür sein, warum die Angehörigen des anderen Geschlechts ihm mit sehnsuchtsvollem Augenaufschlag nachschauen.
Normalerweise gibt es abwechselnd Fisch und Fleisch, wobei die Fische natürlich aus dem eigenen Fang stammen und somit frischer sind, als es jedes Restaurant an Land bieten könnte.

Es gibt kaum etwas, was es bei uns nicht gibt. Von der Fischsuppe über selbsthergestellte Sushi bis hin zu gebratenen oder gedünsteten Fischfilets oder der Umgegend angepasste Fischcurrys. Dazu haben wir Fische im Überfluss, die in Deutschland entweder gar nicht oder nur für viel Geld zu haben sind. Wer in Berlin mal frisches Thunfischfilet gekauft hat, kann das beurteilen. Daneben gibt unser Tiefkühlschrank unterschiedliche Fleischgerichte her. Osso Buco, Gulasch, Steaks, Ochsenschwanz, dazu unterschiedliche Nudel- oder Reissoßen und nicht zuletzt das beliebte „Alleszusammen a la CHIKA-lu“ stehen auf dem Fleischspeiseplan.
Wenn sich dies alles so leicht und locker anhört, hat man den eigentlichen Prozess des Kochens nicht bedacht. Dieser ist nämlich nicht nur durch einen eigenwilligen Gasherd, der in guten Zeiten eine große und eine halbe kleine Flamme bietet, erschwert, sondern zudem stark wetterabhängig. Während bei gutem Wetter allenfalls die hohen Temperaturen unter Deck eine Herausforderung darstellen, bietet schlechtes Wetter noch wesentlich stärkere Erschwernisse. Ab etwa 20 bis 25 Knoten Wind bleibt nichts mehr da stehen, wo man es hingestellt hat. Im Klartext bedeutet dies, dass die geschnittenen Zwiebeln, der eingelegte Fisch und die geschälten Kartoffeln zusammen mit allen anderen Kochutensilien die Tendenz entwickeln, sich nach Lee über den Kajütenboden zu verteilen. Dies gilt es natürlich zu verhindern, und dabei sind zwei Arme oft nicht genug, ja, selbst vier Hände können die zahlreichen Abstürze kaum verhindern, und so kommt aus der Kombüse oft ein unwirsches lautes Fluchen, gepaart mit der Aufforderung an den Teil der Crew, der gerade im Cockpit ist, „mal endlich etwas anständig zu fahren“.
Nach langer schweißtreibender Tätigkeit ist es dann so weit: Das Essen ist fertig. Der Tisch im Cockpit wird gedeckt. Je nach Wetterlage stehen Teller auf dem Tisch, oder es muss jeder seine Schüssel in der Hand behalten, um ein Chaos bei Tisch zu vermeiden. Selbst liebgewordene Gewohnheiten dreht das Wetter um, denn für das Glas Wein fehlt dem Esser oft die dritte Hand.
Allein über das Kochen und Essen könnte man noch viel mehr schreiben, aber ich muss nun aufhören: Das Essen ist fertig.

Vor Madagaskar, 2. 11. 2014
Uwe