More Website Templates @ TemplateMonster.com. September 17, 2012!

Nachts auf der Chika-lu

NachtsSchlafen an Bord ist eine vielschichtige Sache. Da ist, im einfachsten Fall, der Hafenaufenthalt. Allenfalls die Hitze oder das Schnarchen des Kajüten Nachbarn bringt den einen oder anderen dazu, sein Bett ins Cockpit oder, bei Regen, unter die Sprayhood zu verlagern. Auf See wird es schwieriger, weil ein guter Schlafplatz in erster Linie vom Wetter abhängt. Auch bei ruhigem Wetter fällt das Cockpit als Schlafplatz weitgehend aus, zumal es in der Nacht von den wachhabenden Crewmitgliedern bevölkert wird, die sich selbst gern abwechselnd auf der Bank ausstrecken. Da werden meistens die normalen Kojen benutzt, welche, abgesehen vom der des Skipper, der den Luxus einer eigenen großen Koje besitzt, als Doppeltkojen ausgelegt sind, die mit einem Schlingerbrett voneinander getrennt sind. Bis etwa 15 bis 20 Konten Wind tun diese ihren Dienst, darüber hinaus allerdings halten sie den Rollbewegungen, die das Boot auf die Schlafenden überträgt, nicht stand, und es kommt dazu, dass der auf der jeweiligen Leeseite liegende, von seinem Mitbewohner überrollt wird, etwas, was nach meiner Beobachtung weniger gern akzeptiert wird.

Dann beginnen die Ausweichmanöver, das bedeutet, dass die Sitzbänke im Salon herhalten müssen. Hat man sich einen solchen Platz ergattert, muss dies durchaus nicht von Dauer sein, denn nach dem Ende der eigenen Wache findet man diese Bank oft belegt vor, besonders dann, wenn es sich um eine der beliebten Leebänke handelt. Noch nicht einmal der Skipper bleibt von diesem Umzug verschont, denn sein breites Doppeltbett ist wohl eher für ruhige Tage konzipiert worden, sodass auch er die schmale Bank auf der Backbordseite seines Salons nutzen muss. Nimmt der Wind und damit in der Regel auch die Wellenhöhe weiter zu, bleibt ein erholsamer Schlaf allenfalls für die wahrhaftig hartgesottenen Seeleute. Der Schläfer, oder besser derjenige, der versucht in den Schlaf zu kommen, wird so hin und her geschleudert, dass dies oft nur dann gelingt, wenn die Müdigkeit wirklich sehr groß ist. Dazu kommen nicht nur laute Geräusche, die die Wellen und der Wind erzeugen, sondern auch die aus dem Inneren des Schiffes, wo trotz aller Vorsorge zahlreiche Dinge lautstark die Schiffsbewegung nachvollziehen. Bei noch stärkeren Winden fallen Dinge geräuschvoll aus den Borden und Netzen, und zu dieser entstehenden Kakophonie gesellt sich das unflätige Fluchen des einen oder anderen, der sich in dem Moment davon besonders gestört fühlt. Kein Wunder also, wenn häufig auch am Tage geschlafen wird, wann auch immer und wo gerade ein besonders guter Platz zu erhalten ist. Als wollte er diesen letzten Satz unterstreichen, beginnt Wolfram gerade auf der Leebank des Salons, sein Lieblingsplatz, an zu schnarchen.

Uwe

am 24.11.2014, vor Cape Town