More Website Templates @ TemplateMonster.com. September 17, 2012!

Die afrikanischen Küste südwärts nach CapeTown

Knysna

Durban war die erste Etappe entlang der afrikanischen Küste. Nur 80 sm entfernt. Eine große und lebendige Stadt, die alles bietet. Wir setzen uns erst einmal auf einen Doppeldeckerbus und machen eine Stadtrundfahrt, um einen ersten Überblick zu erhalten. Überall gibt es Straßenmärkte, die von T-Shirt bis zu den üblichen kunsthandwerklichen Gegenständen alles anbieten. Arm und reich leben nebeneinander, schwarz ist die vorherrschende Farbe. Schöne gepflegte Wohnvorstädte wechseln sich ab mit einfachen Behausungen. Die Townships befinden sich in den Vorstädten, die uns erspart bleiben. Dominierend immer wieder „Security“ in den Wohngegenden, den Firmengebäuden, Ämtern.

Auch in Durban wieder eine langwierige Prozedur mit der Klarierung; der Weg zu Zoll und Immigration bleibt mir nicht erspart; lange Wege zu Fuß und Suche nach der richtige Adresse inbegriffen. ...und das, obwohl wir ja bereits in Südafrika einklariert sind und einen Stempel in unserem Pass haben.

Nur drei Tage genießen wir die Großstadtluft von Durban. Das nächste Wetterfester für die Strecke nach East-London, immerhin 255 sm weit,

öffnet sich. Die wollen wir ausnutzen und verlassen den gastlichen Hafen morgends um 5:00Uhr. Auf der Strecke nach East London gibt es zwischendurch keinen geeigneten Hafen. Wir suchen den Agulhas Strom und müssen erst einmal weit aufs Meer bis zur 200 m Tiefenlinie, wo er südwärts mit bis zu 6 Knoten setzt.

Wind von achtern treibt uns mit guten 9-10 Knoten voran. Am nächsten Tag erhalten wir gegen Mittag die Erlaubnis von Port Control in den Hafen von East London einzulaufen. Im Buffalo River finden wir einen Liegeplatz in Latimers Landing an einer Mooring, die vom örtlichen Segelclub kostenlos bereitgestellt ist.

Um an Land zu kommen, müssen wir unser Dinghy benutzen und über eine baufällige Holzplattform klettern. Von dort haben wir noch einen Weg von 30 Minuten in die Stadt.

Es brummt in der Stadt vor Betriebsamkeit. Die vorherrschend schwarze Bevölkerung bietet entlang den Straßen auf einfachen Verkaufsständen alle möglichen Produkte an. Ein buntes Gemisch; Musiker trommeln und singen und versuchen, ihre CD’s zu verkaufen. Die Menschen tanzen mit; Frauen mit ihrem Kind auf dem Rücken können sich auch nicht dem Rythmus entziehen.

Am Dienstag, den 22. 11. 2014 verlassen wir den Hafen gegen Mittag, um das nächste günstige Wetterfenster Richtung Süden auszunutzen. Diesmal wollen wir nach Mossel Bay.

Port Elisabeth wollen wir passieren, ohne einzulaufen. Die gesamte Distanz beträgt 310 sm.

Wir haben günstigen Wind aus Südost; der Agulhasstrom schiebt uns. Optimal! Wir segeln ziemlich platt vor dem Wind 160-170 Grad, nur mit Großsegel, das mit einer Bullentalje gesichert ist. Unser Autopilot steuert das Schiff sehr gut auf Kurs, trotz der anstehenden See.

Mitten in der Nacht gibt unser Autopilot Alarm, keine Funktion. Sofort können wir den Fehler nicht beheben. Wir müssen also vorerst von Hand steuern. Bei diesem spitzen Windwinkel von achtern ist das gar nicht einfach, der Autopilot kann das viel besser. Als ich am Steuer war, viel plötzlich die Beleuchtung der Instrumente aus, was die Orientierung nicht gerade erleichtet. Gerade hatte ich Peter gebeten, die Beleuchtung wieder vom Navigationstisch zu aktivieren, passierte es. Eine Patenthalse! Die Wucht löst den Schäkel von der Großschot, der Großbaum bewegt sich hin und her. Die Freiwache ist alarmiert. Schiff in den Wind und das Großsegel bergen, den Baum einfangen und befestigen. Nachdem das getan war, konnten wir unsere Fock ausrollen und damit weitersegeln. Wir entschlossen uns, Port Elisabeth anzulaufen, wo wir um 7:00 Uhr früh eintrafen und in den Hafen einliefen. Es ist ein ziemlich schmutziger, kommerzieller Hafen, er schien uns nicht sehr attraktiv. Wir fanden einen Platz längsseits eines Fischerpiers.

Nach 3 Stunden Arbeit hatten wir alle Reparaturen erledigt. Beim Autopiloten gab es ein korrodiertes Kabel, der Schäkel des Großschotblocks am Baum war abgerissen und wieder ersetzt, die Bullentalje hatte den Spleiss eines Dynema-Loops aufgerissen, wir konnten es reparieren und neu verspleissen. Der Schaden hielt sich also in Grenzen.

Wir verließen den Hafen von Port Elisabeth unmittelbar nach der Reparatur und richteten den Bug wieder Richtung Mossel Bay. Der Agulhas Strom macht bei Port Elisabeth einen weiten Bogen nach Süden und war nicht mehr so hilfreich wie bisher. Teilweise blieb der Wind aus und wir nahmen die Maschine zu Hilfe. Am 24. 11. frühmorgends machten wir in Mossel Bay an der Spitze des Fischerpiers fest, den uns Port Control zugewiesen hatte. Erwähnenswert: Die Behördenvertreter von Zoll, Immigration, Health kamen an Bord und waren von ausgesuchter Freundlichkeit.

Mossel Bay ist eine große Bucht, die von dem Portugiesen Bartolomeo Diaz erstmalig besucht wurde. Ein Museum in der Ortschaft mit dem Nachbau seiner Caravelle zeigt sehr anschaulich die Zeit und die Bedingungen der Seefahrt zu jener Zeit, als man den Seeweg um Africa suchte.

Wir verbringen wieder ein paar Tage in Mossel Bay, um den kräftigen Wind aus Südwest abzuwarten und wieder einen günstigen Moment für die Weiterfahrt zu finden. Mit einem Mietauto fahren wir nach Knysna, einer sehr schönen Lagune und Ortschaft, die wir aber nicht anlaufen konnten mit unserem Tiefgang von 3,10 m. Bei einem Besuch des Weingutes Herold nahe George konnten wir unsere Weinvorräte nach ausgiebiger Probe wieder auffüllen.

Der Fischerei Pier von Mossel Bay war streng abgesperrt und kontrolliert. Bei Rückkehr zum Schiff fand jedes Mal eine Alkoholkontrolle statt, indem man in ein Gerät pusten musste. War man „positiv“, wurde man an Bord begleitet.

Am 29. 11. hat sich das Wetter für uns günstig entwickelt. Wir laufen frühmorgends aus unter

Maschine und können nach ein paar Stunden unseren Spinnaker setzten, was uns eine rauschende Fahrt von über 10 Knoten bringt. Doch leider nicht lange. Bei einer Windbö von

vielleicht 16 -18 Knoten platzt der Spinnaker. Offensichtlich sind ihm die bisherigen Reparaturen nicht gut bekommen und haben ihn geschwächt, denn normalerweise muss er diesen Wind gut wegstecken. Wir müssen den Weg mit 7-8 Knoten nur mit der Fock fortsetzen, denn wieder einmal haben wir Probleme mit dem Vorliek des Großsegels, das beim Einfädeln des Lieks beim Setzen des Segels eingerissen ist, sodaß wir das Großsegel nur ein kleines Stück hochziehen können. Wir runden Cape Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas, Cape Hangklip am Eingang der riesigen „False Bay“, die ihren Namen von der irrtümliche Meinung hat, bereits am südlichsten Punkt angelangt zu sein, Cape Point und schließlich das Cape of Good Hope, bevor wir nach Hout Bay laufen, um dort noch einen Tag vor dem Einlaufen in Kapstadt zu verbringen. Hout Bay ist ein angesagter Ort für die Kapstadter und für Touristen zum Baden an einem schönen Sandstrand. Wir machen dort längsseits an einem Touristenschiff fest, von dem nur eine schmale Holzbohle 3m zum Ufer führt. Bei der Rückkehr auf das Schiff am Abend auch eine Art von Alkoholkontrolle.

Am nächsten Morgen geht es weiter an der Atlantikküste des südlichen Kaps, entlang den 12 Aposteln, einer Bergkette mit 12 spitzen Kuppen, vorbei an Camps Bay um die Ecke zur Einfahrt in den Hafen von Cape Town. Wir haben bereits einen Liegeplatz reserviert in der V&A Marina an der Waterfront. Nach Erlaubnis der Hafenbehörde und Anruf per UKW beim

Brückenwärter öffnen sich zwei Brücken, die wir zum Einlaß in die Marina passieren müssen.

In der äußersten Ecke des Hafens am Lock und neben dem Aquarium liegen wir gut und sicher für die nächsten Wochen, bis wir am 10. 1. 2015 Kapstadt zur Passage über den südlichen Atlantic, nach St. Helena und Salvador de Bahia in Brasilien wieder verlassen.

Spannende Tage in Kapstadt erwarten uns. Die Waterfront, eine Konversion des alten Hafengebietes, ist eine gelungenes und lebendiges Viertel, mit vielen interessanten Geschäften, Restaurants und Atraktionen. Die Landschaft um Kapstadt ist sehenswert und lädt dazu ein, mit einem Mietauto die Gegend zu erkunden. Viele Weinkellerein warten gastfreundlich auf einen Besuch.

Unsere Mitsegler Peter und Uwe verlassen uns in Kapstadt, dafür kommen Willi Ring, unser Mitsegler über den Atlantik, und Peter Haake, ein Segler, den wir von der „Kathea“ kennen, unserem größten Konkurrenten von der Tahiti Pearl Regatta. Auch ich werden für die Weihnachtszeit nach Hause fliegen, aber wieder rechtzeitig da sein, wenn die Reise weitergeht.

Hubert

Cape Town, 8. 12. 2014