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Unter dem Tafelberg

Jeder kennt Kapstadt oder hat davon gehört.tafelberg Da gibt's den Tafelberg, das Kap der guten Hoffnung, da gab's die Burenkriege und Apartheid und Nelson Mandela. Kapstadt ist holländisch oder ist's englisch? Jeder spricht hier mindestens englisch und Afrikaans und häufig auch noch Xhosa.

Erstmals 1488 von Bartholomeus Diaz angelaufen, dann von Vasco da Gama auf seinem Weg nach Indien. Sie hinterließen einfache Versorgungslager, aus denen Jan van Riebeeck 1652 eine Siedlung machte, um die holländischen Ostindienfahrer bedienen zu können. Heute ist Capetown der größte Hafen Südafrikas, fünf Millionen Menschen leben hier unter dem Tafelberg, gefühlte fünf Millionen Touristen kommen hinzu.

Apropos Tafelberg: der ließ gerade seine Wetterküche brodeln.

In 1000 mtr Höhe lag eine wabernde Wolkendecke auf seiner Tafel und wälzte sich den steilen Abhang hinab, um sich nach 100 mtr freiem Fall in Nichts aufzulösen.

Stundenlang konnten wir dem Schauspiel zusehen, während wir uns der V&A Marina näherten.



Unser Liegeplatz in der V&A Marina liegt direkt am Tor zu den Stegen. Das hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile liegen auf der Hand: ein kurzer Weg zum Boot, der die zu erwartende Versorgung mit Ersatzteilen, Verpflegung und den Flaschen geistiger Getränke zu erleichtert. Nachteil ist, das eben diese geistigen Getränke, die trotz ihrer Geistigkeit die Arme lang werden lassen, abends gern als Absacker von allen Crews, die eigentlich auf ihre Boote wollen, in der Plicht der Chika-lu genossen werden. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Tafelberg nicht zu sehen ist. Um die Wetterlage für einen Besuch zu erkunden, ist also vonnöten, ein Frühstück im 50 mtr entfernten Cafe Shoreline für ca. 2 Euro einzunehmen. Zwei Spiegel- oder Rühreier, mit Speck, gedünsteter Tomate, Toastbrot und einer Tasse Kaffee und, in meinem Fall, der anschließenden Zigarette lassen genügend Zeit, zu entscheiden, ob heute der richtige Tag für einen Besuch der Tafel ist. Der niedrige Preis veranlasst uns, fast jeden Tag hierher zum Frühstück zu kommen, das Tafelwetter zu bewerten, auch wenn wir gerade nicht vorhaben, auf den Tafelberg zu klettern. Schließlich fällt einem die Aufgabe zu, mit Hilfe eines Chips für die Öffnung des Steg Tors zu sorgen, da es weniger Chips als Bootsleute gibt. Nebst der Laufarbeit gibt es hier jedoch meistens kurze Gespräche, so dass man immer informiert ist, was die jeweilige Crew heute gerade vorhat.

Peter, Uwe und Hubert sind nun mehr oder weniger zu Hause. Eine Woche bis Weihnachten, zwei bis Silvester. Sebastian und ich bleiben als 'Hauspfleger' an Bord. Die Segel sind beim Segelmacher, die Baumreparatur in Auftrag gegeben, eine Kraft für komplette Bootsreinigung bestellt und endlich soll auch Rentokill unseren mittlerweile wieder vermehrt auftretenden Mitbewohnern den Garaus machen. Viele andere Boote der Flotte sind ebenfalls Crew massig dezimiert. Das lässt die verbleibenden Leute zusammenrücken. Jeden Abend Party irgendwo, häufig im Mitchell's oder im Ferryman, zwei Pubs, die erfreulicherweise lange geöffnet haben und außerdem draught Guiness ausschenken, was mir sehr gelegen kommt. Weihnachten rückt näher, aber wie soll ein Mitteleuropäer im Hochsommer weihnachtliche Gefühle entwickeln? Mir gelingt es jedenfalls nicht, auch wenn sich die Südafrikaner alle Mühe geben mit Lichterschmuck, Weihnachtmützen und Schokoladenweihnachtsmännern. Da alle Geschäfte auch an den Weihnachtstagen geöffnet sind, scheint es den Südafrikanern ähnlich zu gehen. Natürlich könnte das auch an den gefühlten fünf Millionen Touristen liegen, die nebst den Einwohnern Kapstadt gerade zur Weihnachtszeit bevölkern, darunter viele aus Deutschland.

Insbesondere die Longstreet in der Altstadt ist eine lange Partymeile, in der das Leben brennt, bis früh in den Morgen voller Menschen, Lokals und Touristen. Hier lässt sich alles kaufen, was man so braucht und was Spaß macht.
Und da, wo die Touristen sind, findet sich auch die Security. Allein ihre Anwesenheit beruhigt den Besucher und vermutlich ein paar Einheimische, während andere sich ein wenig gestört fühlen mögen. Allein als Touri fühle ich mich in der beruhigten Gruppe ganz wohl.

Weihnachten kommt ganz unspektakulär. Einige Arbeiten sind erledigt: Die Baumleute haben sich das Ganze angesehen und gemeint, sie kommen morgen wieder, was hier wohl 'nach Silvester' heißt. Unsere Mitbewohner haben sich bis auf letzte Reste völlig verflüchtigt, die sich wohl auf das letzte Gefecht vorbereiten. Das Loch im Dinghi ist repariert. Irgendwie ist die Umgebung nicht weihnachtlich, also gehe ich Essen und anschließend der Livemusic im Ferryman zuhören. Am 1. Weihnachtstag hat die Avocet zum Weihnachtsessen eingeladen. Großartiger Abend. Die Iren verstehen sich auf Feiern. Natürlich auch mit irischen Volksballaden, die durchaus moderne Geschichte beschreiben.

Zwischen Weihnachten und Silvester passiert so gut wie gar nichts, da sich Südafrika vom Stress der Weihnachtsfeier erholen muss. Ausnahme bilden, wie man später hört, die Segelmacher, die wegen allerlei defekten Tuchs der Flotte sogar Nachtschichten einlegen müssen. Die ARC plant ja nun, aus der 2-jährigen Veranstaltung eine jährliche zu machen. Ob sie dann Weihnachten und Silvester aufgeben müssen? Da nichts passiert, fahre ich mit den Iren der Avocet zur Hölle. Aber das ist eine andere Geschichte...

Silvester wird nun wie wohl überall auf der Welt durch Feuerwerk begrüßt. Zwecks besserer Anschauung gibt es eine typische spontane ARC-Party, die bei der Celebrate beginnt, und über Saphir und Ghost auf der Adela endet. Eine halbe Stunde knallt und blitzt es in der V&A Marina, dann sind alle bösen Geister in die Wüste geschickt. Das neue Jahr ist da und wir leben noch. Lediglich American Spirit hat nicht von der weltweiten Vertreibung des Bösen profitiert. Jeannie findet nach ihrer Rückkehr das Boot aufgebrochen und sich bestohlen vor. Haben doch tatsächlich sehr dreiste Diebe die Chance genutzt, dass alle inklusive Security abgelenkt waren. Sehr dreistes Stück.

Tatsächlich laufen sehr langsam die Arbeiten an. Als Hubert am 5. Januar wieder auf dem Boot erscheint, ist eigentlich noch nichts passiert. Wie immer, wird am letzten Tag alles erledigt: Die Segel sind wieder da, Taucher putzen den Rumpf, der Baum ist repariert, der Aussenborder hat seinen geklebten Hut wieder aufgesetzt. Eigentlich können wir los. Trotz einiger Verständigungsschwierigkeiten mit den Leuten vom Supermarkt steht der georderte Proviant inklusive der geistigen Getränke in den gewünschten Mengen am Pier, die Ausklarierung hat noch einmal einen Besuch des Royal Capetown Yacht Club erfordert und an der Tankstelle vorbeigeführt.

Eine wunderbare Stadt, ein wunderbares Land. Die Gespräche mit den Lokals über ihre Lebensbedingungen geben einen Anreiz, hier wesentlich länger zu verweilen, vom südafrikanischen entspannten Lebensrhythmus getragen zu werden. Vielleicht werde ich das machen.

Farewell, Capetown, Zouthafrica, my love...

-wolf at Chikalu, South Atlantic