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Fahrt zur Hölle

Am zweiten Weihnachtstag wollten die Iren derGamkaskloof Avocet zur Hölle fahren und luden mich dazu ein. Iren sind ja bekanntlich meistens katholisch und sollten daher wissen, wo sie die Hölle finden. Als reiselustiger Mensch dachte ich mir, dass ein Besuch der Hölle nicht schaden könne und fuhr also mit. Anlässlich eines familiären Todesfalles musste Margaret zurück nach Irland, was ihr nebst dem traurigen Anlass ebenso Chance bot, Silvester im Kreis ihrer Familie zu feiern. Ich nehme an, sie flog mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Derry, Cameron und ich fuhren daher erst am 27. Dezember los, was meine Neugier jedoch nicht schmälerte.


Der Weg in die Hölle ist lang und beschwerlich, wie allgemein berichtet wird. Als Vorbereitung nahmen wir ein Abendmahl in Ladismith ein. In Oudtshoorn wurde verproviantiert, was mich hoffen liess, nicht in der Hölle verhungern zu müssen. Ein Besuch der Cango Caves ergab, dass wegen des Andrangs ein späterer Besuch stattfinden sollte. Ah ja, irgendwie enthielt das Hoffnung auf Rückkehr aus der Hölle.

Schon der alte Voortreckerweg über den Swartsberg Pass war abenteuerlich. Irgendwann hörte die Straße auf und lediglich ein schmaler unbefestigter Weg kletterte in endlosen Serpentinen auf

1500 mtr Höhe. Die Luft wurde etwas dünner, dafür kühler und jedes Mal, wenn jemand entgegenkam, musste der Wagen dicht am Abgrund warten. Nun bin ich sowieso nicht gut mit Höhen und der Blick die Steilkante hinab liess meinen Puls auf konstante 150 und meinen Blutdruck auf gefühlte 1500 ansteigen mit jedem Meter, den wir höher kletterten.

Die Voortrecckers, die das im 19. Jahrhundert mit Pferd und Wagen gemacht haben, stehen den westamerikanischen Pionieren weiß Gott in nichts nach. Mein Respekt vor ihnen wuchs gewaltig ebenso wie meine Nervosität. Dann war der Pass passiert, es ging abwärts und mit jedem Meter normalisierte ich mich wieder. Ein Schild wies den Offroadweg nach Gamkaskloof aus, wo sich die Hölle befinden sollte. 'On your own risk' stand auf diesem Schild. Oh, oh...

50 km offroad, von denen allerdings die ersten 30 km gemütlich über Stock und Stein, durch vertrocknete Flussläufe und ein paar Höhenzüge führte. Die letzteren konnten mir nach dem Swartbergpass jedoch nicht viel anhaben. Sie waren vielleicht auch nicht steil genug. Schließlich ging es wieder bergauf in endlosen Serpentinen und war der Weg bisher einspurig mit Ausweichstellen, wurde er nunmehr halbspurig. Natürlich ohne Seitenbefestigung am Abgrund. Das war härter als der Swartsberg, mein Blutdruck stieg gewaltig, mein Puls rannte mir davon. Yup, das muss die Hölle sein, dachte ich mir, obwohl wir noch gar nicht da waren. Diesmal mussten wir sogar 1800 mtr hoch klettern und Autos kamen auch entgegen, was in mir eine Mischung aus Hoffnung auf lebendige Rückkehr und Furcht vor dem tiefen Fall auslöste. Mein produziertes Adrenalin hätte vermutlich gereicht, ein ganzes Jahr ohne Schlaf und ständig auf Hochtouren zu leben. Ich bewunderte Cameron, der locker und lässig neben Derry sass, ab und zu mal herunterblickte und sich nichts daraus zu machen schien. Endlich, endlich ging es wieder bergab, was eigentlich schwieriger zu fahren ist.

Und dann ging es um eine scharfe Kurve und aus 1200 mtr Höhe war ein langes, weitläufiges Tal zu sehen, die Gamkaskloof. In der Tiefe konnte man ein paar Häuser erkennen. Alles erschien irgendwie verlassen, als hätten die Voortreckers vor 100 Jahren nach einem erfolglosen Versuch alles aufgegeben. Ein Ziel vor Augen, beruhigte sich mein Blut, mein Puls und der Abstieg war fast ein Kinderspiel für mich. Tatsächlich waren die paar Häuser eine Rangerstation für das Tal. Da es ohnehin nur eine Straße gab, fuhren wir einfach weiter. Und da war sie: die Hölle, the hell, die Hel. Und da liefen Leute herum, offensichtlich Feriengäste. Derry mietete einen Wohnwagen namens Hettie. Alle mietbaren Wohnwagen hatten Namen: Pieter, Anna, Hendrik.

Hettie war gut versteckt, was uns Gelegenheit bot, den ganzen Wohnwagenplatz abzufahren. Vor den meisten saßen Leute und ließen es sich gutgehen. Strom gab es nicht, aber Wasser. Dafür mangelte es an Toiletten. Von Neugier getrieben, wollten wir wissen, wohin der Weg führt. Am Ende des Weges fanden wir ein paar kleine Gehöfte, die kein Leben verrieten. Diese Ansammlung hieß also 'die Hel'. Wenn ich an diese Abgeschiedenheit denke, den langen Weg über Berg und durchs Tal, um mal abends ins Kino zu gehen oder die vergessene Butter einzukaufen, war mir klar warum dieser 'Ort' den Namen trug.

Wir packten unseren Kram in den Wohnwagen, Cameron sammelte Holz für ein Lagerfeuer, Kocher und Lebensmittel ausgepackt. Es wurde dunkel und mit ihm verschwand der Lärm der Vögel. Nicht einmal Grillen zirpten. Wir genossen dennoch diesen Abend bei Bier, Würstchen, Lagerfeuer und Gesprächen. Nicht, dass er lange dauerte. Derry war erschöpft von der kurvigen Fahrerei, meine Adrenalinproduktion war eingestellt, nur Cameron funktionierte noch eine Weile...

Der nächste Morgen brachte ein schnelles Frühstück, denn Knysna war das nächste Ziel, allerdings wegen der Offroadwege weit, weit weg. Mit Grauen dachte ich an die verdammte Pässe. tatsächlich ging es viel einfacher als erwartet. Ich glaube, es lag daran, dass ich die Strecke irgendwie kannte und bereits mit Grauen im Nacken gefahren war. Nunmehr ging alles problemlos und pünktlich zum Sonnenuntergang kamen wir in Knysna an. Bei einem guten Guiness im Mitchell's (ja, auch Knysna hat eins) war ich zufrieden: To hell and back...

-wolf at chikalu, South Atlantic