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Carneval in Salvador de Bahia

Salvador de Bahia - die alte Hauptstadt Brasiliens - 1280px-Bloco da camisinha circuito Campo Grande Salvadorempfing uns um Mitternacht des 4. 2. 2015 mit einer überwältigenden Lichterfassade einer Wolkenkratzerstadt. Wir hatten uns entschlossen, die Durchfahrt im Inneren des vorgelagerten Riffes zu nutzen, so segelten wir in Nähe des Ufers der glitzernden Stadt zu dem Liegeplatz im Hafen "Terminal Marina". Als erstes Schiff der Flotte wurden wir natürlich von der ARC nach dem Festmachen mit einem Caipirinha begrüßt, selbst um 2 Uhr morgends dank des Einsatzes von Joel und Susanna von der ARC.

Die "Terminal Marina" liegt unterhalb der Altstadt "Pelourinho", die man durch Nutzung eines großen Fahrstuhlkomplexes "Elevador Lacerda" bequem aufsuchen kann, gegen o,15 Realcentavos (ca. 3 Eurocent). Hier unten ist der ärmere Teil Salvadors, keine glitzernden Fassaden, keine Hochhäuser, vielmehr alte, baufällige Häuser, die nur noch verschämt ahnen lassen, das sie einmal prächtige Wohn- und Geschäftshäuser im Kolonialstil vergangener Zeiten waren. Ist man mit dem Elevador hochgefahren in die Altstadt, wird man von den teilweise sehr schön renovierten Häusern aus kolonialer Zeit empfangen.

Die 365 Kirchen der Altstadt zeigen den Reichtum der vergangenen Kolonialzeit. Üppig in Gold dekorierte Kirchenschiffe zeugen von der Großzügigkeit dieser Gesellschaft. Aber an Allem hängt doch Vergänglichkeit. Es ist teuer und schwer den Zahn der Zeit aufzuhalten.

Die Menschen sind ein Mischmasch verschiedenster Kulturen. Vor allem der Einfluss Afrikas und seinen importierten Sklaven, die sich mit den indianischen und weißen Teilen der Bevölkerung mischten, ist spürbar dominant. Dies kommt vor allem auch zum Vorschein bei den weitverbreiteten Riten afrikanischen Ursprungs, wie z.B. dem "Candomblé". Bei dieser relegiösen Ceremony wird musiziert und obsessiv getanzt, bis die Tänzer mystisch verzückt in Trance fallen, nachdem sie vom Geist der "Orixá" besessen wurden. Oder die "Capoeira", durchgeführt von einer Gruppe von Trommlern, mit zwei wechselnden Tänzern, die einen Kampf gegeneinander darstellen. Es ist ein graziöses Balett von akrobatisch anmutenden Bewegungen mit den Beinen und Armen, unter Einsatz der Fäuste, aber immer ohne Kontakt mit dem Gegendarsteller.

Zur Zeit ist alles in Vorbereitung auf den Carneval. Die Straßen der Altstadt und auch die Straßen der eleganteren Viertel von Campogrande bis Barra sind für den normalen Verkehr gesperrt. Die Geschäftsleute haben ihre Schaufenster mit Brettern vernagelt, offensichtlich weiß man die Begeisterung der Brasilianer richtig einzuschätzen. Die Polizei ist unübersehbar sehr präsent und hat überall Positionsstände mit Polizisten etabliert, damit sie immer alles im Blick haben. Durch die feiernden Menschenmassen laufen martialisch aufgerüstete Polizisten im Gänsemarsch zu Fünft oder im Dutzend um deutlich zu machen, wo die Grenzen des Vergnügens liegen.

Die Straßen und kleinen Gassen sind mit Figuren und Flitter geschmückt. Alles scheint in großer Vorfreude auf dieses Fest zu sein. Die Musik ist bei uns auf dem Schiff bis morgends um 6 Uhr zu hören, wenn die Sambagruppen ihren großen Auftritt üben. Man trinkt Caipirinha und Bier, tanzt zu der Musik die allenthalben zu hören ist, nimmt einen kleinen brasilianische Imbiss und ist vergnügt. Zu den großen Carnevalstagen vom 12. bis zum 17. Februar ist die ganze Stadt auf den Beinen. Bis zu 2 Millionen Menschen bewegen sich tanzend durch die Menschenmenge. Umzüge von Sambagruppen ziehen durch die Altstadt, prächtige kostümiert und gefolgt von begeisterteten Tänzern. Einige von der ARC Flotte und auch wir von der CHIKA-lu haben sich ebenfalls herausgeputzt und kostumiert. Wir wurden überall von begeisterten Brasilianer beklatscht. Es fiel aber auf, daß sich die Brasilianer selbst wenig verkleideten, sofern sie nicht zu einer der Sambagruppen gehörten.

Wenn auch für die Sicherheit gesorgt wird, passiert doch genug. Allein von den Seglern der ARC hören wir von verschiedenen Überfällen und Diebstählen, sowie auch tätlichen Angriffen, wenn man sich widersetzt. So wurde man auch vielfälltig gewarnt, nicht zu viel Bargeld bei sich zu haben oder Cameras oder teure Uhren am Handgelenk zu tragen.
Brasilien ist ein Land der Gegensätze von arm und reich, das führt schon zu Begehrlichkeiten und Kriminaltät.

Die Baia de Todos os Santos, die große Bucht von Salvador de Bahia, ist umgeben von schönen Inseln, die von den Einheimischen gerne zum Wochende oder für ein paar Tage am Strand aufgesucht werden. Endlose Schlangen von Menschen benutzen die Fähren und Schiffe, die vom Terminal in der unmittelbaren Nähe unserer Marina zu den Inseln abgehen. Auch wir machen einen kleinen Ausflug mit einem der Schiffe zum Baden und Faulenzen, man kann nicht immer nur Carneval feiern.

Empfehlenswert ist der Besuch einer Churasceria, eines typisch brasilianischen Restaurants. Neben einem üppigen Bufett mit allen nur denkbaren Vorspeisen und zubereiteten Gemüsen, ist die Hauptsache das "Rodizio". Man hat einen Coupon vor sich: eine Seite rot, die andere grün. Solange man die grüne Seite nach oben zu liegen hat, wird von effizienten Kellnern Fleisch in jeder Variation serviert. Immer an einem großen Spieß gebraten und frisch an den Tisch gebracht, mit einem scharfen Messer abgeschnitten, das man mit einer kleinen Zange sein Teilstück abnehmen kann. Rindfleisch, durchwachsen oder mager, Filet oder Rumpsteak, Lamm oder von Schwein. Alles sehr köstlich! Und auch der brasilianische Wein ist besser als man es erwartet. Man darf nur nicht vergessen, den coupon wieder auf ROT zu drehen, sonst wird man permanent von weiteren fleischlichen Köstlichkeiten animiert; und widerstehen ist schwer.

Etwas genervt von den lauten Nächten an unserem Liegeplatz wären wir gern schon etwas früher wieder abgefahren, aber während des Carnevals stehen alle Räder in Salvador still. So kann man auch nicht ausklarieren, was in Brasilien auch von Hafen zu Hafen innerhalb Brasiliens erforderlich ist. Am 18. 2. 2015 haben wir es geschafft. Die Papiere sind klar und wir können Salvador verlassen mit Ziel der naturgeschützten Inselgruppe "Fernando de Noronha", ca. 370 sm entfernt in NNO.


Hubert
18. 2. 2015
Im südlichen Atlantic