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Durch die Grenadines nach St. Lucia

MayreauDer letzte Teil der Segelreise um die Welt durch die Grenadines nach St. Lucia ist jedem Schiff die Routenauswahl freigestellt. Den meisten von uns sind die vor uns liegenden Inseln bereits bekannt. Aber das schmälert keineswegs die Erwartung, die wir alle an einige der schönsten Inseln der Karibik haben und genießen wollen.

Von Grenada führt uns der Weg nordwärts zu der nächstgelegenen Insel Carriacou. Wer diese Strecke nordwärts von Insel zu Insel bereits einmal gesegelt ist, weiß, daß zwischen den Inseln der Passat in aller Regel heftig mit 20 – 30 Knoten Wind aus Nordost bläst. Und so beschränken wir uns darauf, mit gesetzer Fock und mit Motorunterstützung gegenan zu laufen. Den unterirdischen Vulkan „Kick‘-em-Jenny“ lassen wir unter uns; wie es scheint stört ihn das nicht, er läßt uns unbehelligt.

Tyrrel Bay ist die Bucht, in der wir unseren Anker werfen. Hier gibt es auch ein geeignetes und räumlich zusammenhängendes Büro für die Ausklarierung aus Grenada; also diesmal kein Marathon über die Insel. Die Bucht gibt uns schon einen Vorgeschmack auf die kommenden Liegeplätze; alle sind sehr stark frequentiert durch Charterboote – meist Katamarane – die die Grenadines von Martinique aus besegeln. Wir bleiben eine Nacht vor Anker und nutzen eines der Restaurants am Ufer für eine ausgiebige Nachtmahlzeit.

In Sichtweite liegt schon Union Island, der auch unser Einklarierungshafen für St.Vincent ist und den wir als nächstes ansteuern. Clifton Harbour ist eine schöne Bucht mit einem großen vorgelagerten Riff an der Wetterseite Richtung Ost. Am Ende des Riffs liegt wie eine einsame Hallig das „Happy Island“, für einen Imbiss order einen Drink; leider geschlossen. Aber auch in der Mitte des Hafens liegt das „Roundabout Reef“, das man sorgfältig umfahren muss. Aber so eingeschlossen von Riffen liegt man vom Schwell ziemlich unbehelligt. Auf die Gelegenheit eine Nacht vor Anker in der Bucht von Palm Island – einem exclusiven und sehr gepflegten Luxushotel – zu verbringen, verzichten wir, nachdem wir gehört haben, daß man leider stark im Schwell liegt. Dafür gönnen wir uns ein üppiges Abendessen an Bord, nachdem wir ein paar große Langusten vom einheimischen Fischer erstanden hatten. Unsere Töpfe waren gerade groß genug, um die Langustenschwänze aufzunehmen und zuzu-bereiten. Dazu gab es wahlweise eine Kapern-Butter oder eine Knoblauch-Butter. Es war sehr lecker!

Leider, oder zum Glück, gibt es immer Leute, denen Fisch oder Krustentiere in jeder Form suspekt sind;(doch nett, daß er meinen Namen nicht genannt hat,Rainer ), so hatten wir genug von den Langusten übrig, um für den nächsten Abend eine „Linguine al‘ Astice“ zuzubereiten. Hubert hat dazu den Körper, die Panzer und Beine in der Pfanne geröstet und mit Brühe und Wein aufgegossen, um einen guten Fond für die Pasta zu erhalten. Formidable!

Union Island ist das Einfallstor zur südlichen Passage in die Tobago Keys. Navigatorisch durchaus anspruchsvoll, denn die Durchfahrten zwischen den Riffen und Inseln Jamesby und Petit Rameau sind relativ eng. Wir ankern schließlich in den Tobago Keys geschützt vom Horseshoe-Reef und der Insel Baradel. Türkisfarbenes Wasser und weißer Sandgrund sind die bestimmenden Farben der Tobago Keys. Tauchen und Schnorcheln am Horseshoe Riff sind fantastisch.Baradel ist eine Insel, auf der man eine Schildkroten-Schutzzone etabliert hat. So braucht man sich nicht zu wundern, wenn man bei Schnorchel einigen Schildkroten begegnet, oder ein paar Stachelrochen. Auf den Inseln findet man auch noch viele Leguane, die einem über den Weg laufen. Obwohl Leguane von den Einheimischen auch gern gegessen werden.

Die Schönheit der Tobago Keys sind inzwischen von vielen entdeckt; deshalb werden die Ankerplätze dort gerne von vielen Yachten angelaufen. Uns treibt es deshalb weiter nach Mayreau, in die Salt Whistle Bay. Leider auch diese sehr frequentiert durch Katamarane von Charterern. Trotzdem eine schöne Ankerbucht; leider etwas schwellig, denn wir müssen etwas weiter draußen ankern wegen unseres Tiefganges von 3,10 m.

Am Ufer finden wir einen herrlichen Strand. Einheimische bieten alle möglichen Handarbeiten und   T-Shirts an. Ein verlassenes Hotel zeigt, daß es auch in der Karibik keine Selbstläufer gibt. Kleine Bungalows, Gemeinschaftsanlagen, Bars; alle sehr solide aus Stein gebaut, sind dem Verfall preisgegeben. Es war uns unverständlich, warum dieses Hotel seine Pforten schließen musste, in einem landschaftlich so schönen Ambiente. Nur die Bar wurde noch von ein paar Einheimischen betrieben, zum Glück!

Wir machen uns auf weiter nach Canouan. Eine Insel mit zwei Gesichtern. Denn der nördliche Teil ist von der Canuan Resort Development Company entwickelt zu einem exclusiven Holiday Resort mit Golfplatz, Hotel und Restaurants. Der Golfplatz ist gebaut von Donald Trump und Rainer muss unbedingt Golfbälle von diesem Golfplatz mitbringen; möglichst mit dem Schriftzug von Donald Trump. Das kostet ihn ein kleines Vermögen, denn der Zugang zu diesem Resort und dem Golf-Pro-Shop kostet ihn einiges: Eintritt, Taxi, Drinks und die Bälle natürlich auch.

Der südliche Teil findet langsam seinen Weg vom Holzhaus zum steinernen Haus; gibt doch der nördliche Teil vielen einen Job und eine Zukunft. An der Atlantikseite im Osten liegt ein großes Riff mit einer Lagune, die zum Tauchen und Schnorcheln sehr geeignet sein soll. Wir probieren es nicht aus; uns zieht es weiter nach Mustique.

Mustique, nur wenige Meilen entfernt, ist in der Hand eines privaten Investors, der es verstand, die Reichen und Schönen der Welt (David Bowie, Mick Jagger, Raquel Welch und Pricess Margaret) auf die Insel zu holen, die dort ihr exclusives Leben fernab der gewöhnlichen Leute geniessen können, bzw. konnten.

Wir machen in der Britannia Bay an einer Boje fest. Das kostet schon mal EC$ 200,00 (€ 70,00). Basils Bar dient den ankommenden Besuchern als Lieferant von Drinks und Speisen. Basils Bar ist in der ganzen Karibik bekannt, besonders Mick Jagger soll hierzu beigetragen haben. Nachdem uns bei unserem Spaziergang in der Ortschaft von der Security untersagt wurde, uns dort frei zu bewegen, und uns nur in bestimmten Bereichen am Strand aufzuhalten, haben wir an der Insel das Interesse verloren und auf die Reservierung zum Abendessen in Basils Bar verzichtet. Also Anker auf nach Bequia.

Bequia mit dem Ankerplatz Admirality Bay ist eines der Ziele der Karibiksegler auf dem Weg Richtung Nord oder Süd. Bereits 1962 nach meiner ersten Atlantiküberquerung lag ich in dieser schönen und gut geschützten Bucht. Sie ist umsäumt von den Häusern von Port Elisabeth und schönen Stränden. Damals war wenig Betrieb in der Bucht, in der vielleicht 6-8 Segler ankerten. Ich erinnere mich an den Fang von vielen Langusten auf der atlantische Seite der Insel in Spring Bay in 4-5 m Wassertiefe. Viel zu viele für uns allein; wir haben die Langusten an die übrigen Segler in der Bucht verschenkt.

Entlang der Waterfront befindet sich ein Restaurant neben dem anderen. Es ist viel Betrieb in der Bucht, denn wir sind über Ostern in Bequia. Und das ist der Zeitpunkt für ein großes Ereignis: Der Bequia Easter Regatta. Vier Tage regattieren Racer und Cruiser miteinander. Am Abend sind wir im Frangipani, wo sich alle Segler treffen. Ich lasse mich anstecken von der fiebrigen Erwartung der Segler, die am nächsten Morgen starten wollen. Spontan erkundige ich mich nach der Möglichkeit, noch nachzumelden für die Cruiser Class. Das Race Commitee ist einverstanden mit der Nachmeldung. Bei der Befragung meiner Crew, ernte ich keine Begeisterung für eine Teilnahme, denn das bedeutet, dass alle vier Tage mit Hektik ausgefüllt sind. Den spontanen Plan gebe ich daher auf. Einen Teil der Wettfahrten können wir direkt von unserem Ankerplatz aus verfolgen, der ziemlich dicht an der Luvtonne im Inneren der Bucht liegt.

Obwohl wir nicht teilnehmen, sind wir Teil dieser Gemeinschaft von Seglern im „Frangipani“, die dort in üblicher feucht-fröhlicher Art der Preisverteilung und dem Austausch des Tagesgeschehens beiwohnen.

Am Ostermontag lichten wir in Bequia den Anker, bevor die Regatta beendet ist, und machen uns auf den Weg nach St. Vincent. Wir halten Kurs auf einen Ankerplatz an der Südspitze St.Vincents, bei Young Island. Dort sind gute Tauch- und Schnorchelgründe um die „Blue Lagoon“ und Young Island. Die Blaue Lagune können wir mit unserem Tiefgang nicht anlaufen. Es gibt nur eine betonnte Zufahrt mit ca. 2,80 m Tiefe und eine schmale Rifföffnung, die zu benutzen abgeraten wird. Und das wohl mit Recht, denn in der Lagune finden wir einige Bootswracks, als wir sie mit unserem Dinghy besuchen.

Am nächsten Morgen steht die Fahrt nach Wallilabou auf unserem Segelplan. Eine große und sehr tiefe Bucht, in der Teile des Films „Piraten der Karibik“ gedreht wurden. Viele Dekorationen an Land sind noch vorhanden, aber im Vergleich zu früheren Besuchen dort, verfallen sie immer mehr. Die Crew hat viel Spaß bei einem Besuch einer einfachen Kneipe, wo man auch andere Segler traf, die sich in vorgerückter Stunde auf dem Tresen tanzenderweise entblätterten. Es war wohl sehr vergnüglich

Mit Zielrichtung Soufriere bei den zwei Pitons auf St. Lucia kommen wir unserem Ziel Rodney Bay immer näher. Die Bucht hat tiefes Wasser und so liegen wir an einer Mooringboje in der unmittelbaren Nachbarschaft der 2 Pitons, die wie spitze Zähne aus der durchaus schon bergigen Insel aufragen. 2460 und 2629. Nicht Meter sondern Fuß natürlich, aber landschaftlich sehr beein-druckend. Für diejenigen, die nicht rechnen wollen, 743m und 798m.

Abends treffen wir uns mit der Crew der „Alpheratz“, einer amerikanische Swan 51, zum Abendessen im“ Hummingbird“ und tasten uns in der Dunkelheit zurück auf unser Dinghy und an Bord unseres Schiffes. Die Alpheratz war über die ganze Reise hinweg unser geschätzter Gegner in der Rally und wir haben mit der Crew eine gute Freundschaft geschlossen. Ich will jetzt nicht sagen, wer beim Racen die Nase vorn hatte.

Nur ein Katzensprung von ein paar Seemeilen ist es nach Marigot Bay, einer sehr gut geschützten Bucht an der Westküste St.Lucias, die sich sogar rühmt „hurricansicher“ zu sein. Dies ist der Ort an dem sich die verbliebene Flotte der ARC World am 8. 4. zu einem ersten Umtrunk trifft, bevor es am 11. April in einer Geschwaderfahrt von Marigot Bay nach Rodney Bay ca. 6 sm entfernt geht, wo wir gemeinsam unseren Ausgangskurs kreuzen und die Weltumseglung faktisch und symbolisch beenden.

Die große Abschlußzeremonie findet dann dort in Rodney Bay statt, auf die wir uns alle schon freuen.

Hubert, 9. 4. 15

Marigot Bay